Sauerkirschen lassen sich ganz einfach zu einem gesunden Saft verarbeiten: Du presst die entsteinten Früchte aus, erhitzt den Saft kurz auf etwa 80 Grad Celsius und füllst ihn in sterile Flaschen ab. Das Ergebnis ist ein naturreiner, aromatischer Saft ohne Zusatzstoffe, der die wertvollen Inhaltsstoffe der Sauerkirsche vollständig erhält. In diesem Artikel beantworte ich dir alle wichtigen Fragen rund ums Thema Sauerkirschsaft selber machen.
Welche Sauerkirschsorten eignen sich am besten für Saft?
Für die Saftherstellung eignen sich vor allem die Sorten Morello und Schattenmorelle. Beide Sorten haben einen hohen Fruchtsäuregehalt, viel Saft und ein intensives Aroma, das auch nach dem Erhitzen erhalten bleibt. Wer einen milderen Saft bevorzugt, kann auf die Sorte Kelleriis 16 zurückgreifen, die etwas weniger Säure mitbringt.
Die Schattenmorelle ist in Deutschland besonders weit verbreitet und gilt als klassische Saftkirsche. Ihre tiefdunkle Farbe sorgt für einen optisch ansprechenden Saft mit kräftigem Rotton. Die Morello-Kirsche punktet ähnlich, ist aber etwas kleiner und intensiver im Geschmack. Beide Sorten reifen in der Regel zwischen Ende Juni und Mitte August, je nach Region und Witterung.
Wichtig ist, dass du reife, makellose Früchte verwendest. Überreife oder beschädigte Kirschen können den Saft trüb machen und die Haltbarkeit verkürzen. Wenn du Sauerkirschen kaufst oder beziehst, achte auf eine gleichmäßige Färbung und eine feste Konsistenz.
Wie bereite ich Sauerkirschen für die Saftherstellung vor?
Vor der Saftherstellung musst du die Sauerkirschen gründlich waschen, entstielen und entsteinen. Das Entsteinen ist der aufwendigste Schritt, aber wichtig, damit keine Bitterstoffe aus den Kernen in den Saft gelangen. Ein einfacher Kirschentkerner aus dem Haushaltswarenhandel macht diese Arbeit deutlich schneller.
Hier ist der empfohlene Vorbereitungsablauf Schritt für Schritt:
- Kirschen in einem Sieb unter kaltem Wasser gründlich abspülen
- Stiele entfernen und beschädigte oder überreife Früchte aussortieren
- Kirschen mit einem Kirschentkerner oder Messer entsteinen
- Entsteinte Früchte in einen sauberen Topf oder eine Schüssel geben
- Optional: Früchte kurz andrücken oder halbieren, um den Saftaustritt zu erleichtern
Wenn du größere Mengen Sauerkirschen verarbeitest, lohnt sich ein elektrischer Kirschentkerner. Der spart Zeit und schont die Früchte, sodass beim Vorbereiten weniger Saft verloren geht.
Welche Methoden gibt es, um Sauerkirschsaft herzustellen?
Es gibt drei bewährte Methoden, um Sauerkirschsaft selber herzustellen: das Entsaften mit einem Dampfentsafter, das Pressen mit einer Fruchtpresse und das einfache Kochen mit anschließendem Abseihen. Jede Methode liefert guten Saft, unterscheidet sich aber in Aufwand, Ausbeute und Ergebnis.
Dampfentsafter
Der Dampfentsafter ist eine der schonendsten und saubersten Methoden. Du gibst die entsteinten Kirschen in den Einsatz, erhitzt Wasser im unteren Topf und lässt den Dampf die Früchte aufschließen. Der Saft tropft in einen Sammelbehälter und kann direkt abgefüllt werden. Die Methode ist hygienisch, liefert klaren Saft und ist gut für größere Mengen geeignet.
Fruchtpresse
Eine Fruchtpresse, ob manuell oder elektrisch, erzeugt einen besonders fruchtigen, naturtrüben Saft mit vollem Aroma. Du gibst die vorbereiteten Kirschen in die Presse und presst den Saft direkt aus. Der Trester, also der Rückstand, enthält noch viel Geschmack und lässt sich gut für Marmeladen oder Kompott weiterverwenden.
Kochen und Abseihen
Die einfachste Methode ohne Spezialgeräte: Du gibst die Kirschen mit etwas Wasser in einen Topf, erhitzt sie bei mittlerer Hitze etwa 15 bis 20 Minuten und seihst die Masse anschließend durch ein feines Tuch oder ein Passiertuch ab. Der Saft ist etwas trüber, schmeckt aber intensiv und ist ideal, wenn du keinen Entsafter zur Hand hast.
Muss ich Sauerkirschsaft zuckern oder konservieren?
Nein, Sauerkirschsaft muss weder gezuckert noch mit künstlichen Konservierungsstoffen versetzt werden. Die natürliche Fruchtsäure der Sauerkirsche wirkt bereits leicht konservierend. Wer den Saft haltbar machen möchte, erhitzt ihn beim Abfüllen auf mindestens 75 bis 80 Grad Celsius, was ausreicht, um ihn ohne Zusätze für mehrere Monate zu konservieren.
Ob du Zucker zugibst, ist reine Geschmackssache. Reiner Sauerkirschsaft ist von Natur aus herb und säurebetont. Wenn du ihn milder magst, kannst du beim Kochen oder Abfüllen etwas Honig oder Zucker einrühren. Für einen gesunden Saft ohne Zusatzstoffe empfiehlt sich aber die ungezuckerte Variante, eventuell mit einem Schuss Apfelsaft gestreckt, um die Säure zu mildern.
Für die Haltbarmachung ohne Einkochen eignet sich auch das Einfrieren des frisch gepressten Safts. In Gefrierboxen oder Eiswürfelbehältern hält er sich problemlos bis zu einem Jahr und lässt sich portionsweise auftauen.
Wie lange ist selbst gemachter Sauerkirschsaft haltbar?
Selbst gemachter Sauerkirschsaft ist, wenn er heiß in sterile Flaschen abgefüllt und luftdicht verschlossen wird, bei kühler und dunkler Lagerung bis zu zwölf Monate haltbar. Nach dem Öffnen solltest du die Flasche im Kühlschrank aufbewahren und den Saft innerhalb von drei bis fünf Tagen verbrauchen.
Für eine optimale Haltbarkeit gilt:
- Flaschen vor dem Abfüllen im Backofen bei 100 Grad oder mit kochendem Wasser sterilisieren
- Saft auf mindestens 75 bis 80 Grad erhitzen und sofort abfüllen
- Flaschen umgekehrt abkühlen lassen, damit der Deckel einen Vakuumverschluss bildet
- Kühl, dunkel und trocken lagern, zum Beispiel im Keller
- Flaschen mit Inhalt und Abfülldatum beschriften
Gefrorener Sauerkirschsaft hält sich wie erwähnt bis zu einem Jahr. Achte darauf, den Behälter nicht zu voll zu füllen, da Flüssigkeit beim Einfrieren expandiert.
Welche gesundheitlichen Vorteile hat Sauerkirschsaft?
Sauerkirschsaft ist reich an Antioxidantien, Vitaminen und entzündungshemmenden Pflanzenstoffen, insbesondere Anthocyanen. Diese sekundären Pflanzenstoffe geben der Kirsche ihre tiefrote Farbe und können laut verschiedenen Ernährungsstudien dazu beitragen, oxidativen Stress im Körper zu reduzieren. Außerdem enthält Sauerkirschsaft natürliches Melatonin, das den Schlaf-Wach-Rhythmus unterstützen kann.
Zu den wichtigsten gesundheitlichen Eigenschaften von Sauerkirschsaft zählen:
- Entzündungshemmend: Anthocyane können Entzündungsprozesse im Körper dämpfen und werden besonders im Sportbereich diskutiert
- Reich an Vitamin C: Unterstützt das Immunsystem und fördert die Kollagenbildung
- Natürliche Melatoninquelle: Kann bei regelmäßigem Konsum die Schlafqualität verbessern
- Kaliumreich: Gut für Herzfunktion und Muskelarbeit
- Kalorienarm: Im Vergleich zu vielen anderen Fruchtsäften relativ wenig Zucker, besonders in der ungezuckerten Variante
Wichtig zu wissen: Sauerkirschsaft ist kein Heilmittel und ersetzt keine medizinische Behandlung. Er ist aber ein wertvoller Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung und eine leckere Alternative zu stark gesüßten Säften aus dem Supermarkt.
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