Kirschen platzen nach Regen auf, weil sie innerhalb kurzer Zeit zu viel Wasser aufnehmen. Der Druckunterschied zwischen dem schnell wachsenden Fruchtfleisch und der weniger dehnbaren Schale wird dabei so groß, dass die Haut einfach reißt. Dieses Phänomen betrifft fast alle Süßkirschsorten und kann ganze Ernten gefährden. In den folgenden Abschnitten beantworte ich die wichtigsten Fragen rund ums Aufplatzen von Kirschen.
Wie entsteht der Druck, der Kirschen zum Platzen bringt?
Kirschen platzen auf, weil die Frucht Wasser über die Schale und den Stiel sehr schnell aufnimmt, sobald Regen fällt. Das Fruchtfleisch quillt dabei schneller auf, als die Schale nachgeben kann. Der entstehende Innendruck übersteigt die Dehnbarkeit der Fruchthaut, und sie reißt auf. Dieser Prozess kann innerhalb weniger Stunden nach einem Regenschauer ablaufen.
Technisch gesprochen handelt es sich um einen osmotischen Vorgang. Regenwasser dringt direkt durch die Kutikula, also die wachsartige Außenschicht der Kirschenhaut, in die Frucht ein. Gleichzeitig gelangt Wasser über den Stielansatz in das Innere. Das Fruchtfleisch, das zu diesem Zeitpunkt bereits viel Zucker enthält, zieht das Wasser regelrecht an. Je süßer und reifer die Kirsche, desto stärker ist dieser Sog.
Besonders kritisch wird es, wenn auf eine trockene Periode plötzlich starker Regen folgt. Die Frucht ist es dann nicht gewohnt, Wasser abzupuffern, und reagiert mit einem regelrechten Wachstumsschub von innen. Das Ergebnis: Kirschen platzen auf, oft innerhalb eines einzigen Tages.
Welche Kirschsorten platzen besonders leicht auf?
Süßkirschen platzen grundsätzlich leichter auf als Sauerkirschen. Innerhalb der Süßkirschen gelten großfrüchtige, dunkel gefärbte Sorten mit dünner Schale als besonders anfällig für das Aufplatzen. Sorten wie Burlat oder Kordia zeigen im Vergleich zu festschaligeren Sorten eine deutlich höhere Empfindlichkeit gegenüber Regen.
Die Schalendicke und die Zusammensetzung der Kutikula spielen dabei eine entscheidende Rolle. Sorten mit einer dickeren, wachsreicheren Schale können Wasser besser abweisen und nehmen bei Regen weniger Feuchtigkeit auf. Züchter arbeiten deshalb seit Jahren gezielt an regenfesteren Sorten, zum Beispiel an der Sorte Regina, die als vergleichsweise robust gilt.
Sauerkirschen wie die Schattenmorelle haben ein etwas zäheres Fruchtfleisch und eine andere Zellstruktur, die das schnelle Aufquellen besser abfängt. Sie platzen zwar auch, aber deutlich seltener als ihre süßen Verwandten.
Warum platzen Kirschen kurz vor der Ernte am häufigsten?
Kurz vor der Ernte sind Kirschen am reifsten und enthalten den höchsten Zuckergehalt. Genau das macht sie am anfälligsten dafür, nach Regen aufzuplatzen. Je mehr Zucker im Fruchtfleisch steckt, desto stärker ist der osmotische Sog, der Wasser in die Frucht zieht. Gleichzeitig ist die Schale zu diesem Zeitpunkt bereits maximal gedehnt und hat kaum noch Spielraum.
Hinzu kommt, dass das Wachstum der Frucht in den letzten Wochen vor der Ernte ohnehin auf Hochtouren läuft. Kommt dann Regen dazu, wird dieser natürliche Wachstumsprozess von außen noch weiter angeheizt. Das Fruchtfleisch vergrößert sich in kürzester Zeit, die Schale hält dem Druck nicht stand, und Kirschen platzen auf.
Für Obstbauern ist das besonders ärgerlich, weil zu diesem Zeitpunkt bereits viel Arbeit und Zeit in die Ernte investiert wurden. Ein einziger Regentag kurz vor der Ernte kann erhebliche wirtschaftliche Schäden anrichten.
Was passiert mit aufgeplatzten Kirschen – sind sie noch essbar?
Aufgeplatzte Kirschen sind im ersten Moment noch essbar, sollten aber so schnell wie möglich verzehrt werden. Durch den Riss in der Schale dringen Bakterien und Pilze ein, die die Frucht innerhalb von Stunden verderben lassen. Wer aufgeplatzte Kirschen vom eigenen Baum erntet, sollte sie noch am selben Tag verarbeiten oder essen.
Im Handel und in der Gastronomie sind aufgeplatzte Kirschen dagegen nicht mehr verkehrsfähig. Sie können weder gelagert noch transportiert werden, ohne dass sie weiter verfaulen. Für die Lebensmittelindustrie werden sie manchmal noch zur Verarbeitung zu Saft oder Konfitüre verwendet, sofern der Verderb noch nicht zu weit fortgeschritten ist.
Für Privatpersonen gilt: Kirschen aufschneiden, den betroffenen Bereich großzügig entfernen und den Rest zeitnah verbrauchen. Wenn die Frucht bereits gärt oder schimmelt, sollte sie komplett entsorgt werden.
Wie können Obstbauern das Aufplatzen von Kirschen verhindern?
Das Aufplatzen von Kirschen lässt sich nicht vollständig verhindern, aber mit den richtigen Maßnahmen deutlich reduzieren. Die wirksamste Methode ist der Einsatz von Überdachungen oder Folientunneln, die den direkten Regenkontakt mit den Früchten verhindern. In vielen Kirschanbaugebieten sind solche Schutzvorrichtungen heute Standard.
Weitere Ansätze, die Obstbauern nutzen:
- Beregnung abstellen: In den letzten Wochen vor der Ernte die Bewässerung stark reduzieren, damit die Früchte nicht zusätzlich Wasser aufnehmen.
- Kalziumbehandlung: Das Ausbringen von Kalziumpräparaten stärkt die Zellwände der Fruchtschale und macht sie widerstandsfähiger gegen Druck.
- Sortenwahl: Beim Neuanpflanzen auf regenfestere Sorten setzen, zum Beispiel Regina oder Sweetheart.
- Frühernte: Bei angekündigtem Starkregen kurz vor dem optimalen Erntezeitpunkt ernten, um Verluste zu minimieren.
- Windmaschinen und Hubschrauber: In manchen Regionen werden nach Regen Windmaschinen oder sogar Hubschrauber eingesetzt, um die Früchte schnell zu trocknen und so die Wasseraufnahme zu begrenzen.
Keine dieser Methoden ist ein Allheilmittel, aber eine Kombination aus Sortenwahl, Folienschutz und gezielter Bewässerungssteuerung reduziert das Risiko erheblich.
Welche Rolle spielt das Wetter beim Aufplatzen von Kirschen?
Das Wetter ist der wichtigste Faktor beim Aufplatzen von Kirschen. Nicht nur Regen selbst, sondern auch die Abfolge von Trockenheit und Nässe bestimmt, wie stark Kirschfrüchte platzen. Ein langer trockener Zeitraum, gefolgt von intensivem Regen, ist besonders gefährlich, weil die Früchte auf den plötzlichen Wasserüberschuss unvorbereitet reagieren.
Auch Temperaturen spielen eine Rolle. Warme, feuchte Nächte nach Regentagen beschleunigen die Wasseraufnahme, weil die Früchte dann aktiv weiter wachsen. Bei kühlen Temperaturen verlangsamt sich dieser Prozess etwas, was den Schaden begrenzen kann.
Hohe Luftfeuchtigkeit ohne direkten Regen kann ebenfalls dazu beitragen, dass Kirschen Wasser aufnehmen, wenn auch in geringerem Ausmaß. In Regionen mit häufigen Sommergewittern, wie etwa in Teilen Bayerns, ist das Aufplatzen von Kirschen deshalb ein immer wiederkehrendes Problem für Obstbauern. Der Klimawandel verstärkt dieses Problem tendenziell, weil extreme Wetterereignisse, also lange Trockenperioden gefolgt von intensiven Niederschlägen, häufiger werden.
Frische Kirschen trotz Regensaison – so helfen wir dir dabei
Wir bei Früchte Kölbl wissen, wie schnell eine Regenwoche die Kirschqualität beeinflussen kann. Genau deshalb arbeiten wir eng mit sorgfältig ausgewählten Erzeugern zusammen, die ihre Bestände schützen und uns auch in schwierigen Saisons mit einwandfreier Ware versorgen. Für unsere Kunden aus Gastronomie, Catering, Hotellerie und Einzelhandel bedeutet das:
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